Müll im Internet: Seiten, die niemand will…
Ja, ja, ja – es muss natürlich gleich der “Running-Gag” kommen, dass mit Sicherheit die Internetpräsenz des Satiremagazins “Der Giftspritzer” zu dem zählt, auf das die Menschheit nicht gewartet und trotzdem bekommen hat. Tja, was soll man dazu sagen, außer, dass es stimmt. Nur im Gegensatz zu vielen anderen im Internet publizierenden Hausfrauen, Heimwerkern, Möchtegern-Journalisten, Lehrkörpern, Haustierbesitzern, Esoterikern, Frauenfußballerinnen, Humoristen, Dorfpolitikern und TAZ-Lesern, sind wir uns unserer misslichen Lage durchaus bewusst.
Aus diesem Grund wird an genau dieser Stelle eine Art Müllhalde für unverwertbare und überflüssige Internetseiten errichtet. Jede Woche wird es zwei erwischen. Die von uns gekillten Homepages werden standesrechtlich erschossen und anschließend ordentlich auf einem Friedhof bestattet – auf einem virtuellen versteht sich.
HINRICHTUNG No. 1 | ONLINEMAGAZIN DORFGESCHWÄTZ
Lange Rede, umso kürzerer Sinn. Fangen wir mit dem 1. Kandidaten an. “Das Dorfgeschwätz”, zu finden unter www.dorfgeschwaetz.de, ist eine Präsenz, deren Betreiber allem Anschein nach TAZ-Leser sein müssen – die verwendeten Formulierungen lassen darauf schließen. Äußerst skurril wirkt die zwanghaft hochgestochene und stets an allem herummäkelnde Ausdrucksweise der Schreiberlinge, in Bezug auf die eher subtile Thematik dieses “Magazins”, mit dem Schwerpunkt Frauenfußball und TuS Lörrach Stetten. “Häää???”, werden jetzt wahrscheinlich einige unken, was ist “TuS Lörrach Stetten denn bitteschön???”.

Logo des Online-Magazins "Dorfgeschwätz". Nomen est omen???
Ja, diese Frage kann zurecht gestellt werden, denn vermutlicherweise wissen nur die in dem viertklassigen Dorffußballverein mitspielenden Personen, was TuS Lörrach Stetten bedeutet. Naja, jetzt wissen Sie es auch, werte Leserschaft, hierbei handelt es sich um einen Fußballverein, der von dem Online-Magazin “Dorfgeschwätz” aufs Schärfste und mit buchhalterischer Akribie beobachtet wird. Es wird sozusagen jeder Furz der Spieler dokumentiert und anschließend in der Heimatredaktion ausgewertet.

Internetpräsenz des Dorfgeschwätz-Magazins. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit, wurde die standesrechtliche Erschießung am 22.09.08 ordnungsgemäß vollzogen. Die Abbildung zeigt die Internetpräsenz nach der Erschießung.
Anschaulich auch die Heimatverbundenheit der “Redakteure”. Auf den Seiten gibt es keine Startseite, nein, sondern eine Heimatseite. Ebenso ist auch das Wort “Newsletter” anscheinend verpönt, denn stattdessen kann ein Neuigkeitenbrief geordert werden. Ja, auf deutsche Ausdrücke wird schon Wert gelegt – zumindest in der Navigation. Politisch oder Politik beobachtend will die Redaktion wohl auch sein – auf alle Fälle gibt es eine Rubrik “Politik”, die aber seit November 2006 schmählich vernachlässigt wurde. Die Redaktion hatte, wie bereits erwähnt, zuletzt im Jahre 2005 das dringende Bedürfnis, der Leserschaft mitzuteilen, was “formal” nach dem Wahldebakel passieren muss/wird/könnte/oderwasauchimmer…
Sei’s drum. Politik ist schließlich nicht der Schwerpunkt dieser Internetpräsenz, sondern Sport und auch Kultur. So berichtet die Dorfgeschwätz-Redaktion von einer Vorstellung des “Cirque du Soleil”, welche am 25.02.08 im Hallenstadion von Zürich stattfand.
Hier ein Auszug der Dorfgeschwätz-Kritik:
Zitat (ohne Korrektur der Rechtschreibfehler!!): …Es folgten nun wohl gespielte Traumsequenzen des unglücklichen Hängenden. Ständig war viel Bewegung auf der Bühne. Es wurde viel getanzt, gesprungen getrommelt und gesungen. Immer wieder schwangen sich die Akteure an Stahlseilen durch den rauchfreien Himmel des Hallenstadions. Auf durchsichtige Vorhänge, die vor oder wahlweise hinter der Bühne geschlossen oder geöffnet wurden, projizierte man Videosequenzen die sich mit dem real dargebotenen zu schönen optischen Eindrücken ergänzten aber mehr eben auch nicht…
Ja, die Redakteure der Dorfgeschwätz-Redaktion sind offensichtlich schwer für etwas zu begeistern (unrühmliche Ausnahme ist dabei wohl nur der TuS Stetten Lörrach). Trotzdem blätterte der Schreiber in seinem Adjektivwörterbuch um das von ihm Gesehene worthaft darzustellen. Scheint ja eine Menge losgewesen zu sein. Tanzende, trommelnde, springende, schwingende und rauchfreie Akteure an Stahlseilen zuzüglich optisch schöner Videoprojezierungen am Himmel des Hallenstadions! Aber es reichte eben nicht für die Redaktion des Dorfgeschwätz, denn die umfangreich adjektivierte Beschreibung endet mit der sinngemäßen Feststellung: Naja, aber das war auch schon alles…
Sollte in Kürze ein Weltuntergang uns überraschen, wird im Dorfgeschwätz zu lesen sein: “Brillante Farbanimationen, schreiende, stöhnende und tote Menschen allerorten, ungeheurer Lärm, gewaltige Erd- und Seebeben, Sturmfluten und eine nicht löschbare Feuersbrunst verhüllte den gesamten Erdball, aber das war auch schon alles…
Naja, vielleicht sollte seitens Dorfgeschwätz Redaktion in Erwägung gezogen werden, ausschließlich über den TuS Stetten zu berichten…
Ein kleines Umlautproblem hat die Seite leider auch:

Es ist sehr schön anzusehen, aber es erschwert das Lesen ein wenig..
Ist aber nicht so schlimm, wenn man sich an seinem Browser auskennt, muss nur der Zeichensatz umgestellt, die Plugins deaktiviert, Office-Datenbankanwendungen entfernt, das gesamte Betriebssystem umgestellt und die Klospülung betätigt werden und schon kann man lesen, dass der TuS Stetten eine Liga höher aufgestiegen ist. Das ist doch mal was, oder?
Apropos Fußball - trotz eingehender Beschäftigung mit dieser Thematik, bereitet die Abbildung von Fußballbildchen den Website-Betreibern immer wieder ordentliche – besser gesagt: außerordentlich – Probleme:

Naja, man sieht wenigsten, was man sehen könnte, wenn...
Von Zeit zu Zeit werden vom “Dorfgeschwätz” Frauenfußballerinen oder Trainerinnen interviewt. Beispielsweise Petra Vidmer.
Der Interviewer beginnt das Interview mit der Feststellung, dass er als erstes eine dumme Frage stellen wird. Das macht natürlich neugierig auf die Frage. Schnell wird seitens Leser festgestellt, dass es nicht bei der einen dummen Frage bleibt, denn der Interviewer meint dann noch, an Frau Widmer eine, na, sagen wir mal sozialkritische Fragen stellen zu müssen, nämlich, ob sie keine Probleme mit einem Alkoholiker als ehemaligen Präsidenten habe. Mannomann, so eine Frage ausgerechnet einer Frauenfußballerin, die nach Beendigung ihres Trainings wahrscheinlich alle männlichen Kollegen unter den Tisch saufen würde. Tststs…
Man möchte es nicht meinen, aber es ist tatsächlich wahr: Die “Dorfgeschwätz-Seiten” unterliegen gemäß Selbstaussage einer permanenten Kontrolle eines Instituts, welches sich “Institut Hasenbein” nennt und angeblich im Auftrage des Herrn tätig ist. An Selbstbewusstsein scheint es den Machern dieses Dorf-Magazins nicht zu fehlen. Nichtsdestotrotz konnte das Magazin “Dorfgeschwätz” unserer Qualitätskontrolle nicht standhalten und wurde am 22. September 2008 standrechtlich erschossen und in feierlicher Manier auf dem virtuellen Friedhof beigesetzt.
Requiem aeternam dona ei, Domine.
Et lux perpetua luceat ei.
Requiescat in pace.
Amen.
So, das langt für’s Erste in Sachen Dorfgeschwätz. Wir werden unsere Leserschaft über den Werdegang dieses Magazins auf dem Laufenden halten. Das ist für uns eine Selbstverständlichkeit!
| Blättern Sie ein wenig in den Seiten und schauen Sie sich weitere Hinrichtungen an. |












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