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Selbstzweifel im Abgrund der Seele

KOMMENTAR ZUR LAGE DER NATION:
Die Lage der Nation ist, wie nicht anders zu erwarten war, unverändert gut.
Es ist somit an der Zeit, im Abgrund seiner Seele nach Widerwärtigkeiten zu suchen. Plötzlich steht sie vor einem: die Mitte des Lebens – naja, wann die genau ist, weiß man (gottseidank) nicht so exakt. Oder vielleicht doch? Man spürt Veränderungen, man will Veränderungen schaffen, weiß aber nicht, was überhaupt verändert werden soll.

Vielleicht die Frau, das Auto, der Wohnort, die Geliebte, die Küche, die Kinder, die Denkart, die politische Meinung, die Freunde, die Stammkneipe, das Umfeld, die unheilbare Krankheit, der Hund, die Katze, die Maus, die Wohnungseinrichtung, die Kindheit, die Haarfarbe, der Pizzaservice, der Charakter, die Sucht, das polizeiliche Führungszeugnis…

Alles will man verändern.

Die ganze Welt, das Universum. Alles ist einem im Laufe der Jahre überdrüssig geworden. Man beginnt zu grübeln, Selbstzweifel zerfressen einen.

45 Lebensjahre vollzogen – und nun? Den ganzen Scheiß so weitermachen? Was hat man erreicht? Ist man zufrieden? Was will man noch? Und außerdem und sowieso…

Ist das die viel zitierte Midlife-Crisis? Vielleicht, ich weiß es nicht.

So stelle ich dieses eigenartige Veränderungs-Symptom auch bei mir fest. Ich habe nunmehr einen Punkt im Leben erreicht, an welchem ich mich umsehe. Schaue nach links und rechts, nach hinten und vorne. Die ehemaligen Wegbegleiter sind aber so weit weg, dass ich sie nicht mehr erspähen kann. Stehe ich etwa im Abseits?

Ja, ich stehe im Abseits und kein Schiedsrichter hat ermahnend gepfiffen, keiner hat etwas gesagt, keiner hat mich gewarnt, keiner hats gemerkt. So stehe ich nun da und möchte die Welt verändern – alleine und von allen guten Geistern dieser Welt bis auf Weiteres verlassen.

So ganz allein und verlassen bin ich aber keineswegs. Seit Jahren folgt mir treu, ergeben und dienstbeflissen, ein traurig dreinschauender und vor-sich-hin-alternder Unglücksengel, der mir fortwährend Überraschungen der besonderen Art zuteil werden lässt. Bereits vor Jahren versah ich diesen meinen persönlichen Unglücksengel mit einem Namen: MISERIA

Wir gewöhnten uns seinerzeit schnell aneinander – mittlerweile wäre es für uns beide vollkommen unvorstellbar, ohne den Anderen zu existieren.

Es scheint mir jedoch, dass auch MISERIA in einer Krise steckt und sich ernsthaft darüber Gedanken macht, alles an sich zu verändern.

Also, ehrlich gesagt, ich hätte nichts dagegen…

Euer Dr. Satori


St. Gallen - Switzerland

Völliger Quatsch - springen Sie!!!


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