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Deutschland 2009 (Heimatroman) - Teil 1

Obwohl mir bewusst war, dass sich im Geld­beu­tel allen­falls noch Cent­stü­cke befin­den konn­ten, blickte ich zum wie­der­hol­ten Male hin­ein. 28 Cent – dafür gibt es nicht mal Ziga­ret­ten­pa­pier. Wozu brauchte ich in mei­ner Lage auch Ziga­ret­ten­pa­pier - der Tabaks­beu­tel war seit 4 Tagen leer.

12 Grad minus zeigte das Außen­ther­mo­me­ter am Schlaf­zim­mer­fens­ter an. Die Queck­sil­ber­säule des Zim­merther­mo­me­ters ver­weilte eisern auf 10 Grad plus. Die Gas-Nachzahlung in Höhe von 400.- € konnte von mir nicht begli­chen wer­den. Die Strom­nach­zah­lung in Höhe von 250.- € eben­falls nicht.

Das Amt wird erst in 2 Wochen zah­len. Heute kam ein Brief vom Amt, in wel­chem stand, dass ich zum 28. „ein­ge­la­den“ bin. Zugleich mit dem Hin­weis ver­se­hen, dass, wenn ich nicht erscheine, ich mit Kür­zung des Arbeits­lo­sen­gel­des II rech­nen müsse. Eine Zwangs­ein­la­dung. Vor­füh­rung wäre der bes­sere Aus­druck gewe­sen. Wie ich am 28. das Amt auf­su­chen sollte, wusste ich nicht, da ich 20 km von der nächs­ten Stadt ent­fernt wohnte und für diese Fahrt öffent­li­che Ver­kehrs­mit­tel in Anspruch neh­men müsste, die ich aber nicht bezah­len könnte, denn dafür würde ich 7.- € gebrau­chen. Ja, man kann die Fahrt­kos­ten beim Amt gel­tend machen – aber erklä­ren sie mal einem Kon­trol­leur, dass man erst zah­len könne, wenn das Amt die Fahrt­kos­ten rück­er­stat­tet hat. Da wür­den dann gleich wie­der 40.- € erhöhte Fahrt­kos­ten fäl­lig wer­den, wegen Erschlei­chung der­sel­ben. Eine Zwick­mühle – wie gewohnt.

Mei­nen Freun­des­kreis hatte ich schon seit Jah­ren hin­ter mir gelas­sen. Geld weg, Freunde weg. So ein­fach ist das hierzulande.

„In der Irren­an­stalt war es wenigs­tens warm und es gab drei Mahl­zei­ten“, dachte ich mir. Die ver­ab­reich­ten Anti­de­pres­siva tru­gen bei mir aber dafür Sorge, dass mir der Appe­tit meist ver­ging. Per­ma­nen­tes Unwohl­sein und ein nicht zu beschrei­ben­der Däm­mer­zu­stand umwi­ckel­ten einen. Man wurde auf Standby gestellt. Ruhig gestellt…


Fort­set­zung folgt…