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Amoklauf in Winnenden – Schlachtfest für die Presse

Aus den Zeitschriftenregalen tropft landesweit Blut aus Winnenden.

Aus den Zeitschriftenregalen tropft landesweit Blut aus Winnenden.

Seit dem Amoklauf in Winnenden werden landesweit verstärkt Putzkräfte für Zeitschriftenläden eingestellt, da das aus den Arschabwischzeitungen BILD und Stern fließende Blut entsorgt werden muss – für Blutspenden ist es leider nicht geeignet, sonst könnte dem Winnender Presseschlachtfest noch etwas Positives abgerungen werden. Die 16 Opfer des Amoklaufs (inklusive Tim K. – letztendlich ist auch er ein Opfer seiner selbst) werden von BILD, Stern, BILDblog (BILD-Watchblog), Focus und anderen voyeuristischen Medien, mehrfach in ihre Einzelteile zerlegt und ausgenommen, so, wie ein Schlachtermeister seine durch Bolzenschüsse erlegten Sauen ausbeint, die Innereien entfernt, das Blut aus den Halsschlagadern herauslaufen lässt und den Würsten beimengt…

Winnenden ist zu einem blutüberströmten Schlachtfest für die Presse geworden. Allen voran BILD und Stern. Stern stellt seiner debilen Leserschaft einen Live-Ticker von den Trauerfeierlichkeiten aus Winnenden zur Verfügung – über Twitter. Falls Sie Twitter nicht kennen, so lesen Sie meinen Artikel: „Twitter – Digitale Volksverblödung garantiert“.

Nach Wikipedia hat die Blutpresse BILD und Stern nun Twitter als journalistisches Werkzeug für sich entdeckt. Noch während der Bluttat von Tim K., versuchte BILD an Winnender Twitteraccounts zu gelangen und wollte von den gefundenen Winnender Twitterusern Live-Berichterstattungen zu lesen bekommen, mit dem Ziel, diese daraus gewonnenen Neuigkeiten schnellstmöglich auf die Onlinepräsenzen und ins jeweilige Printmedium der breiten Öffentlichtkeit (ohne Überprüfung des Wahrheitsgehalts und ohne Moral) vor die Füße zu kotzen. Alles einzig und allein mit dem Ziel, die Auflagen zu erhöhen und die Klickraten auf den dazugehörigen Homepages zu maximieren, damit noch mehr Werbeeinnahmen generiert werden können. Tim K. als Werbeträger für BILD und Stern. Eine Art Maskottchen.

Themenwechsel:
Ich, Dr. Satori, bin die Bundeskanzlerin Angela Merkel. Zumindest auf Twitter. Dort erstellte ich vor einiger Zeit den Account Merkel_CDU. 60 Gefolgsleute habe ich bis dato um mich scharen können – also ungefähr so viel, wie auch Merkel im realen Leben Gefolgsleute hat. Ja, hochverehrte Leserschaft, mehr Leute folgen unserer Bundeskanzlerin nicht mehr.

Kurze Erklärung zu Twitter: Mit Twitter können Botschaften mit maximal 140 Zeichen an Personen versandt werden, die einem auf dieser Internetplattform „folgen“ und als „follower“ bezeichnet werden. Will heißen, sie können ihre Gefolgsleute so oft sie das Verlangen danach haben, mit irgendwelchen Unsinnigkeiten zutexten und weltweit bekannt geben, was sie gerade tun. Zu meinen Twitter-Verfolgern gehörte beispielsweise auch die STERN-PRESSE! Warum auch immer – Stern folgte mir und verbreitete das, was ich (respektive Frau Merkel_CDU) von mir gab, auf seiner Onlinepräsenz. Was, das glauben Sie mir nicht? Ich habe jede Menge Screenshots angefertigt, damit dies für mich beweisbar bleibt. Stern bot seiner Leserschaft einen Twitter-Live-Ticker in Sachen „Amoklauf und Trauerfeierlichkeiten in Winnenden“ an, über welchen Stern die Kommentare auserwählter Twitteruser einblendete – Frau Merkel_CDU gehörte zu dem erlauchten Kreise. Sehen Sie selbst:

Eines muss man dem Stern lassen: Die Kritik von Frau Merkel_CDU, wird kritiklos hingenommen...

Eines muss man dem Stern lassen: Die Kritik von Frau Merkel_CDU, bzgl. voyeuristischer Berichterstattung, wurde kritiklos hingenommen und nicht kommentiert...

Zwischen niederländischen Nachrichtenmagazinen, MDRinfo, ORFat und vielen anderen Zeitungen, durfte Merkel_CDU mittels Twitter und live, ihre Ansichten über den Amoklauf und Trauerfeierlichkeiten verbreiten. Verständlich – schließlich ist Frau Merkel unsere Bundeskanzlerin! Nur gehört dieser Twitteraccount nicht unserer Bundeskanzlerin, sondern mir, dem Kabarettisten und Satiriker Dr. Satori.

Jede Blödbacke auf Twitter weiß, dass der Merkel_CDU Account ein Fake ist – und zwar ein (absichtlich) sehr schlechter Fake. Von Anfang an, habe ich unter diesem Account nur astreinen Blödsinn gepostet. Hier ein paar Auszüge:

Ja, da erfährt man schon eine Menge Interna, wenn man Frau Merkel auf Twitter folgt...

Man erfährt schon eine Menge Interna, wenn man Frau Merkel auf Twitter folgt...

Der investigative Stern hingegen, scheint von der Glaubhaftigkeit des Accounts Merkel_CDU überzeugt gewesen zu sein, sonst hätte er Frau Merkel_CDU sicherlich nicht mit in den Twitter-Newsticker aufgenommen.

Krampfhaft versuchte BILD und Stern während des Winnender Amoklaufs herauszubekommen, ob Tim K. seine Bluttat live über Twitter protokolliert. Wäre dem so gewesen, hätten BILD und Stern mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sofort eine Live-Schalte auf ihren bluttriefenden Homepages veröffentlicht, damit weltweit die Tat eines kranken und fehlgeleiteten Menschen mitverfolgt werden kann. Vermutlich hätten Stern und BILD sich bei Tim K. erkundigt, ob er während seines Amoklaufs eine sexuelle Erregung verspüre. Wenn ja, so wäre seitens Stern und BILD eingefordert worden, dass Tim K. ein Handyfoto seines erigierten Penisses an die Redaktion schicken solle, damit auch noch nach seinem Tode über seine in ihm steckende Manneskraft berichtet werden könnte und er somit als richtiger und standhafter Mann in die deutsche Amoklaufgeschichte eingehen würde. Stern hätte sicherlich noch darauf Wert gelegt, dass doch bitteschön von jedem Opfer „vorher“ und „nachher“ Bilder geschossen werden sollten – per BILD-Handy-Volkskamera versteht sich. Überlieferung via MMS an die Stern-Redaktion. Persönlich einzulösender Verrechnungsscheck für Tim K. in Höhe von 100.000 Euro (für das überlassene Bildmaterial), wäre bei Bestattung von Tim K. mit ins Grab gelegt worden.

Das Dritte Reich wäre für BILD und Stern ein Eldorado gewesen. Hätte es seinerzeit schon BILD, Stern, Twitter und das Internet gegeben, so wären die KZ-Insassen mit DSL, Internet, WebCams und Twitter von den Sponsoren Stern und BILD ausstaffiert worden. Unter Moderation des Arschlochs Dieter Bohlen, wären mit den Geldgebern Stern und BILD Sendungen im „Deutschland sucht den Superstar“-Format produziert worden. Die Sendereihe hätte vermutlich nur einen anderen Namen erhalten. Vielleicht: „Das Deutsche Reich sucht den knochigsten KZ-Häftling“. Der Gewinner dieses Wettstreits, wäre als Menschenhaut-Stehlampe für den Führerbunker geendet. Bohlens Sprüche hätten dann etwas anders ausgesehen:

  • Was, Du willst eine Menschenhautstehlampe für unseren Führer werden? Bei Dir steht ja überhaupt nichts mehr, nicht mal Dein Schwanz.
  • Für mich sind alle Menschen gleichgültig.
  • Alles, was ich anfasse, wird zu Knochenmehl.

BILD und Stern hätten im Dritten Reich jeden Tag eine Live-Schalte vom Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau übertragen und die darin twitternden KZ-Häftlinge nach ihrem Wohlbefinden befragt. Samstags dann die große Show mit blondgelocktem Moderator, in welcher den hinzurichtenden Delinquenten letztmalig die Möglichkeit gegeben worden wäre, das Konzentrationslager als freie Menschen zu verlassen. Titel der Show: „Gas oder Champagner“. BILD und Stern live dabei!

Zurück nach Winnenden:
Der Stern- und BILDvoyeurismus kann nur funktionieren, wenn die Nachfrage vorhanden ist – darauf berufen sich auch die Immoralisten Kai Diekmann & Co. Deutschland ist ein Land von Voyeuren. Aus diesem Grund wird Twitter in Deutschland auch Erfolg haben. Alle warten gespannt auf den nächsten Amoklauf, der als Minutenprotokoll in Stern und BILD zu lesen sein wird.

Pfui Deibel.

Dr. Satori


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10 Kommentare zu "Amoklauf in Winnenden – Schlachtfest für die Presse"

  • Thorsten Bostel

    Boah ey, da hat aber jemand ordentlich ausgeteilt. Und zu RECHT – es ist nicht mit anzusehen, wie die Presse Winnenden verschachert. Ja, verschachern ist genau der richtige Ausdruck. Unter dem Deckmäntelchen von Mitleid und angeblicher Informationspflicht, wird aus dem Unglück einer ganzen Stadt ein Millionengeschäft. Dr. Satoris Abschlusskommentar ist genau der richtige: PFUI DEIBEL

  • Cornelia Spaete

    Dr. Satori sagt immer, er sei Satiriker und Kabarettist. Ja, ist er auch, weiß ich. Durfte vor 3 oder 4 Jahren einen Auftritt von ihm mitverfolgen. Was Dr. Satori unterschlägt, ist, dass er nicht nur Satiriker und Kabarettist ist, sondern auch ein sehr investigativer Journalist. Freilich auf seine Art und Weise – aber er ist es. Das schätze ich ganz besonders an ihm. Wer ihn übrigens persönlich kennenlernen durfte, weiß, dass er ein ganz lieber und netter Mensch ist. Möchte man überhaupt nicht denken, wenn man seine Machwerke so liest – was er von sich gibt. Er ist es aber.

  • Cornelia Spaete

    …wollte ich noch nachtragen:
    Leider sind seine Auftritte sehr rar. Wann geht Dr. Satori endlich wieder auf Tour?? Wir warten alle!!!
    Gruß, Conny.

  • Dr. Y.

    Ja wann kann ich den Clown endlich paar in die Fresse hauen? #journalisten

  • Dr. Satori

    @Dr. Y.: Welchen Clown meinen Sie denn? Sie schrieben “den Clown” – wollten Sie eventuell “dem Clown” schreiben? Pseudolus bittet um Aufklärung des Sachverhalts…
    (Dr. Satori)

  • Dr. Satori

    @Dr. Y.: Sie dürfen hier auch mehr als 140 Zeichen schreiben. Trauen Sie sich einfach – es ist machbar…
    (Dr. Satori)

  • Georg v. d. Raetz

    Ich glaube, dass ich bislang niemals einen trefflicheren Bericht über die Medienlandschaft in Deutschland gelesen habe, als den von Dr. Satori. Mir lief es irgendwie eiskalt den Rücken herunter.

  • Der Gedanke kam mir auch die Tage. Sogar Goebbels hätte von BILD noch lernen können.
    Spiegel war übrigens ganz vorne mit dabei. Die verkaufen gerade “Wenn Kinder zu Killern werden”. “Killern” in blutrot natürlich. Auf Spiegel-Online gab es das Video zum Amoklauf in dem sich der Amokläufer vor laufender Kamera in den Kopf schießt.

    “Die Presse macht Tim. K. zum Helden für künftige Amokläufer. Wir werden diese Art der Berichterstattung wieder mit dem Leben unserer Kinder bezahlen”

    Zu dem Thema gibt es noch einen weiteren Artikel Profit mit dem Blut der Opfer – Die Killerpresse

  • Übrigens geniale Idee mit dem Twitter Account. Da gab es übrigens die Tage schon was ähnliches. Als Guttenberg Wirtschaftsminister wurde, hat ein Journalist bei Wikipedia noch einen zusätzlichen Vornamen eingefügt. Der erschien dann auch prompt bei BILD auf der Titelseite.

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